Projekte

Jenseits des Rasters

Tätigkeitsfelder: Editorial Design
Kunde: ETH Zürich, Professur für Computer Aided Architectural Design
Jenseits des Rasters
Unser genereller Anspruch ist es, die Gestaltung eines Objekts aus seinem Inhalt zu entwickeln. Bei «Jenseits des Rasters», einer umfassenden Werkschau der Professur für Computer Aided Architectural Design der ETH Zürich, war es unser Ziel, deren Theorien und Methoden in die Buchgestaltung zu übersetzen. Ähnlich wie die Architektur hat auch die Buchgestaltung einen Paradigmenwechsel vollzogen: Weg von der digitalen Simulation analoger Methoden, hin zu einer eigenständigen formalen Sprache (Oberfläche) und funktionalen Systemen (Struktur) durch eine «Digitalisierung des Denkens». Das «digitale Buch» existiert nicht nur in virtueller Form, sondern hält durch digitale Produktionsweisen und programmierte Gestaltung Einzug ins Bücherregal. Mit der Professur für CAAD teilen wir den Anspruch, die digitale Gestaltung aus dem Rechner zu befreien und den Schwerpunkt von der Oberfläche zur Struktur zu verschieben. Auch bezüglich der Menge und der Komplexität der gestalterischen Entscheidungen ist ein Buch durchaus mit Architektur vergleichbar. Auch hier existiert das Ideal einer strukturellen Einheitlichkeit von der gedanklichen Vision bis ins Erlebnis des Lesens hinein – am besten vergleichbar mit dem Betreten eines Gebäudes.
UMSCHLAG
Für die Gestaltung des Umschlags verwendeten wir eine Weiterentwicklung der Software «der Tausendfüssler», welche an der Professur für CAAD als Studenten-Projekt entstanden ist.

«Der Tausendfüssler» generiert keine fixe Form, sondern unendlich viele Varianten in einer vorgegebenen Fläche auf einem statischen Raster. Produziert im digitalen Offsetdruck erhält jedes Buch einen individuellen Umschlag. Dennoch werden die Umschläge aufgrund ihres gemeinsamen Ursprungs einheitlich wahrgenommen.

Das so entstandene serielle Unikat stellt den Käufer in der Buchhandlung vor die Qual der Wahl; allein die auf einer einzelnen Ausgabe abgebildete Form impliziert die Existenz unzähliger Varianten.
LAYOUT
Im Buch existieren zwei Textsorten: Projektbeschriebe, zusammengefasst zu thematischen Kapiteln und Reflexionen, welche diese Kapitel trennen und sich auf die darin angewandte Praxis beziehen. Die Projektbeschriebe sollen auch quer und anhand der Bilder gelesen werden können, während bei den Reflexionen der ungestörte Lesefluss im Vordergrund steht.

Daraus resultieren unterschiedliche Layout-Prinzipien: Von der Schriftwahl bis zum Umgang mit der Zweisprachigkeit. Diese Differenzierung zeichnet sich schon im Inhaltsverzeichnis ab.

Damit sich der Leser im Buch orientieren kann, wurde jedem Kapitel eine Schrift zugeteilt. Die Zuteilung erfolgt interpretativ und verweist auf das Thema des jeweiligen Kapitels.

Bei den Projektbeschrieben soll der Leser Text- und Bildseiten nebeneinander lesen können. Da allerdings der Text in Deutsch und Englisch in zwei parallel zueinander verlaufenden Spalten fliesst und die englische Übersetzung meist etwas kürzer ist, enden die einzelnen Absätze auf verschiedenen Höhen oder verschiedenen Seiten.

Um diesen Unterschied auszugleichen, wurde das Prinzip der variablen Spaltenbreite eingeführt. Dabei wird die Spaltenbreite für jeden Absatz neu definiert, sodass der deutsche und der englische Text immer auf gleicher Höhe abschliessen. Auf der Makroebene führt die Verschiebung des Stegs zu einer automatisierten individuellen Form.
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