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Privatzeug 1856–2012

Tätigkeitsfelder: Editorial Design
Kunde: Dr. iur. Rainer Bressler, Zürich
Privatzeug 1856–2012
Die Buchreihe «Privatzeug 1856 bis 2012 – Versuch einer Spurensuche» besteht aus fünf Spuren. Jede Spur hat eine andere Hauptperson. Eine Mutter, deren Sohn im Exil lebt. Da ist das Thema Migration (1). Ein Mensch, der seine Spuren sucht. Der spielerische Umgang mit der eigenen Geschichte (2). Ein Teenager, der sich seinem Tagebuch anvertraut. Auch das Intime muss irgendwie raus (3). Ein Dichter, der nicht mehr veröffentlichen kann. Protest gegen bestehende Verhältnisse (4). Ein Ausgewanderter, der Briefe von seinen Freunden, Verwandten und Bekannten aus der alten Heimat und aus dem übrigen Ausland erhält. Die Ankunft am fremden Ort (5). Die Spuren, die aus Dokumenten bestehen, erzählen Geschichten, die das Leben schrieb und die sich dementsprechend wie ein Unterhaltungsroman über scheinbar gewöhnliche Alltage lesen.
UMSCHLäGE
Ausgehend von der «Spur», dem gliedernden Übertitel der Buchreihe, gestalteten STVG die Umschläge der einzelnen Veröffentlichung als additives System: Jede neue Ausgabe hinterlässt auf seinem Vorgänger eine Spur, welche auf den folgenden Veröffentlichungen zunehmend verblasst. Während also auf dem Cover der «Spur 1» nur eine Typografie zu erkennen ist, werden sich auf «Spur 5» sämtliche Titel überlagern.
SPUR 1 REISEN
1997 reist im Sinne einer Flucht vor seinem nervenden Alltag der Prota­gonist von David Kristiaans Reisebericht nach Japan, schmeisst sich in Tagträume, wacht auf und erlebt in der Fremde das Fremdsein am eigenen Leibe. Dabei wird er überraschend und unerwartet von der Geschichte seiner Grossmutter anhand von Briefen, Tagebucheinträgen, Gesetzen, Ge­dichten, Medienberichten, Zitaten, Anmerkungen eingeholt, stürzt in Trauer über das bisher Verdrängte und schwört sich, nach der Rückkehr sich den Spuren und Dokumenten, die er bruchstückhaft und ungeordnet erinnert, zu widmen, um endlich zu erfahren, woraus das bisher tatsächlich Verdrängte / Verschwiegene / Vorenthaltene besteht.

Die Dokumentencollage ist reich bebildert und in farbiger Schrift gedruckt: blau – die Briefe der Mutter; grün – die Tagebucheinträge und Gedichte des Sohnes; rot – Gesetze und amtliche Weisungen; schwarz – Dokumente aus weiteren Quellen und Zitate.
SPUR 2 SPIELEN
Spur 2 Spielen zeigt den Umgang eines Menschen mit seinen ihm zugefallenen familiären Spuren, über die in der Familie nicht geredet wurde und die er erst spät entdeckt. In Rollenspielen versetzt dieser Mensch sich in die verschiedenen Figuren seiner Geschichte hinein und schreibt ein Hörspiel, dann auch ein Theaterstück, um die eigene Geschichte auszuloten. Das Hörspiel und das Theaterstück stehen im Zentrum dieses Bandes. Die Erzählung, die die dramatischen Werke einrahmt, gibt wieder, wie die Spuren plötzlich in einen prall gefüllten Alltag hereinplatzen und wie dieser Alltag sich thematisch mit den Spuren der Geschichte verbindet. Das Buch ist gespickt mit Buchzitaten aus Lektüren während der Arbeit am Buch, mit Dokumentenzitaten und mit Sentenzen.
SPUR 3 SCHREIBEN
Spur 3 Schreiben besteht aus drei ineinander verschachtelten Texten. Das Motto lautet: ich habe es lange runtergeschluckt, nun muss es raus! Das Kernstück dieses Bandes ist das dokumentarische Tagebuch 1868 bis 1871 von Minna H. aus Ratibor, Schlesien. Den Rahmen bildet eine Erzählung von 1991, in die noch ein satirischer Roman von 1985 locker eingefügt ist. Mit dieser Veröffentlichung eines Tagebuches drängt sich die Frage nach dem Umgang mit dem Persönlichen, dem Intimen auf. Um diese Frage in der Gegenwart zu behandeln, wird das antike Tagebuch in die vergleichsweise modernen Texte eingebettet.
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